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Interactive Storytelling – Geschichten erzählen im Web

interactive storytelling

Das Internet ist ein modernes Medium, das eigentlich sehr viele Möglichkeiten bietet einen Text aufzubereiten. Doch was machen wir daraus? Meistens nichts. Wir verfassen möglichst kurze Texte – weil ja keiner mehr Zeit hat, einen langen Text zu lesen. Wenn wir uns doch mal trauen, einen Text zu schreiben, der mehr als 300 Wörter hat, dann setzten wir ihn in starre Layouts: ein Teaserbild, Fließtext, Zwischenüberschriften und ein paar Verlinkungen – das war’s.

In den vergangenen zwei Jahren haben es allerdings weltweit immer wieder einzelne journalistische Werke ins Rampenlicht geschafft, die aus diesen starren Mustern ganz bewusst ausbrechen. Die Rede ist vom sogenannten Interactive Storytelling. Oder auch Scrollytelling, Multimedia-Longform und Multimedia-Storytelling. Sind Sie jetzt verwirrt? Kein Wunder.

All diese Begriffe beschreiben eine neue Form, Geschichten im und für das Web aufzubereiten. Dabei werden narrative Erzählstrukturen mit Benutzerinteraktion gekoppelt. Der Leser soll durch das Engagement ganz in die Geschichte eintauchen. Alle diese Stücke brechen unterschiedlich stark aus dem bestehenden, starren Layout aus. Das schaffen sie über ein individuelles, speziell auf die Geschichte zugeschnittenes Design. Konkret heißt das: Der Text wird beispielsweise immer wieder durch Video-Statements der Protagonisten unterbrochen. Hintergrundgeräusche vermitteln dem Leser ein authentisches Gefühl. Interaktive Kapitel lassen den Leser selbst entscheiden, an welcher Stelle er die Geschichte weiterlesen möchte. Die Möglichkeiten, den Leser zu fesseln, sind vielseitig.

Beispiele für Interactive Storytelling

  • Durch den Einsatz von verschiedenster Webtechnologien (und jeder Menge Manpower) werden aus einfachen Artikeln regelrechte Kunstwerke. Das Projekt „Snow Fall“ der New York Times aus dem Jahr 2012 gilt als Vorreiter im Bereich interactive Storytelling. Kein Wunder also, dass die Geschichte den renommierten Pulitzer-Preis gewonnen hat. Die Story arbeitet die Erlebnisse einer Gruppe von Skifahrern auf, die zum Teil verschüttet wurden – drei von ihnen starben. Mit mehr als 10.000 Wörtern ist das Stück ganz schön lang und droht – trotz multimedialer Elemente – den Leser zu erschlagen.
  • Im Jahr 2013 veröffentlichte der Guardian die Interactive Story „Firestorm“: Hier wird sehr bewegend die Geschichte einer Familie erzählt, die bei einem großen Buschfeuer in Tasmanien nur knapp überlebt und alles verloren hat. Allein die Bilder sind in diesem Beispiel sehr aussagekräftig. Die äußerst authentischen Protagonisten lassen den Leser förmlich mitfiebern, leiden und hoffen. In dieser Interactive Story wurde nicht mit so viel Texte gearbeitet wie im Beispiel „Snow Fall“.
  • Vereinzelt gibt es auch deutsche Beispiele: Die Süddeutsche Zeitung hat in Zusammenarbeit mit dem NDR das Projekt „Geheimer Krieg“ im Jahr 2013 produziert. Thematisch dreht sich diese Geschichte um den Drohnenkrieg der USA und seine Verbindung mit Deutschland. Allerdings wirkt dieses Beispiel nicht so elegant wie seine englisch-sprachigen Kollegen.

So geht Interactive Storytelling für Jedermann

Wer sich diese Beispiele anschaut, dem wird eines schnell klar werden: Diese Multimedia-Langformate erfordern deutlich mehr Arbeit, Rechercheaufwand, Text, Bilder, Audios und Videos als ein gewöhnlicher Artikel. Außerdem sind wahrscheinlich die wenigsten Journalisten technisch fit genug, um solche Seiten selbst gestalten zu können. Deswegen werden diese Geschichten nicht selten in einem großen Team produziert. Allein im Fall „Snow Fall“ haben 16 Personen mitgewirkt. Das kostete nicht nur viel Zeit und Ressourcen, sondern auch ganz schön viel Geld. Das kann sich natürlich nicht jeder leisten. Aber deswegen Interactive Storytelling gleich aus dem eigenen Repertoire streichen?

Nein! Es gibt Möglichkeiten – natürlich in abgespeckter Version – selbst und kostengünstig interaktive Geschichten zu erzählen:

  • Im vergangene Jahr stellte der WDR das Tool Pageflow vor. Dieses Tool ist kostenlos und soll einen tollen Rahmen für spannende Reportagen bieten. Laut Pageflow sind die erstellten Reportagen mobil-fähig und mehrere Redakteure können gleichzeitig daran arbeiten. Das Tool steht unter der MIT-Lizenz und ist damit auch für die kommerzielle Nutzung frei verfügbar. Allerdings gibt es hier einen Haken: Pageflow hat einige exotische Anforderungen an den Server, was dazu führt, dass nicht jeder dieses Tool zum Laufen bringt. Voraussetzung ist mindestens: Ruby 1.9.3, Rails 4.0, einen Redis-Server und eine Datenbank, die von Active Record unterstützt wird – beispielsweise MySQL.
  • Mit Adobe Voice können recht einfach und schnell Diashows und Videos mit dem iPad erstellt werden. Diese können zusätzlich mit Bildern, Musik und sogar der eigenen Stimme angereichert werden. Vorteil: Das Erstellen soll auch Laien gelingen. Nachteil: Diese App gibt es nicht für Android. Außerdem können die fertigen Videos nur per Link auf der eigenen Webseite geteilt werden – eine echt Exportfunktion gibt es nicht.

Interactive Storytelling in WordPress

  • Interactive Storytelling ist auch in WordPress möglich: Aesop-Story-Engine ist ein erweiterbares Plugin für das CMS WordPress. Damit lassen sich bedienerfreundlich multimediale Artikel einpflegen. Je nach Template (=Vorlage) sind bereits verschiedene multimediale Inhalte angelegt – wie animierte Zitate, Bildergalerien oder Videos – die von Autor nur noch durch die eigenen Inhalte ersetzt werden müssen. Ein weiteres Plugin für WordPress ist Storyform. Hiermit lassen sich ebenfalls recht einfach interaktive Geschichten erzählen und seit kurzem ist dieses Plugin kostenlos.

Wie Sie sehen, können auch Sie recht einfach auf Ihrem Blog eine interaktive Geschichte erzählen.

Multimedia-Storytelling: Nicht nur für lange Geschichten eine gute Idee

Klar, die oben genannten Beispiele sind im wahrsten Sinne des Wortes „Longforms“. Aber lassen Sie sich davon nicht abschrecken! Auch für kürzere Geschichten, die Sie mit vielen Bildern oder kurzen Videos aufbereiten wollen, eignen sich Interactive Storys hervorragend.  Nehmen Sie sich einfach ein bisschen Zeit und testen Sie die verschiedenen Tools und Möglichkeiten aus – Sie werden schnell merken, wie viel Spaß das macht. Ihnen und Ihren Lesern.

Veröffentlicht am 20.02.2015
Aktualisiert am 15.04.2020

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