schließen

Projects

Contact

News

Let's connect
Image Alt

____Sind Geistes- und Literaturwissenschaftler die besseren Kommunikationsleute?

Um es es vorweg zu nehmen: ich glaube nicht. Sie sind nicht per se besser – aber sie sind besser als viele annehmen. Unsere Hochschulen sehen heute anders aus als zu meiner Zeit (1988). Aus den Fachhochschulen sind nominell „Hochschulen“ geworden, faktisch sind sie allerdings mehr Fach-Hochschule als zuvor. Der Fächerkanon hat sich enorm spezialisiert und dadurch vervielfacht. Mit einem Bachelor-Abschluss ist man deutlich früher in der Arbeitswelt als zuvor. Als Lehrer an einer solchen Hochschule war ich erstaunt über das Curriculum. Der Foliensatz aus der Vorlesung wird auswendig gelernt und abgefragt. Die Studierenden selbst nennen das Bulimie-Lernen.

Meine Perspektive als Arbeitgeber auf die Absolventen solcher Studiengänge ist dennoch durchaus positiv – insbesondere wenn die Jungprofis in ihrem speziellen Fachgebiet eingesetzt werden können. Wer sich in diesem Druckbetankungssystem durchkämpft ist meist zielstrebig und fachkundig. Soweit, so gut. Bemerkenswert finde ich allerdings einen anderen Umstand: Die digitale Transformation, das geänderte Mediennutzungsverhalten und der allgegenwärtige Change in der Kommunikationsbranche stellen besondere Anforderungen an die Menschen, die dort arbeiten. Etabliertes wird in Frage gestellt, gewohnte Workflows werden verlassen, vieles wird grundsätzlich neu gedacht. Dabei geht man konzeptionell immer häufiger vom Adressaten, vom Nutzer, aus. „User Centricity“ prägt das Denken.

Mein Eindruck ist, dass sich Kollegen mit geistes- oder literaturwissenschaftlicher Ausbildung in dieser Situation besonders leicht tun. Das Schaffen von Kontext, der Umgang mit Unsicherheit, das Einnehmen unterschiedlicher Perspektiven fällt ihnen oft leicht. Sie suchen nicht nach dem einen richtigen Weg sondern nach einer probaten Lösung. Ein Denkstil, der nicht auf Reproduktion ausgelegt ist, lässt oft auch mehr Raum für Kreativität. Zudem wissen Absolventen dieser brotlosen Fächer in der Regel, dass sie ihr wirkliches Handwerkszeug erst im Job lernen müssen und treten diesen daher mit einer wohltuenden Bescheidenheit an. Diese Tugend wird knapp und wertvoll.

Meine Aussagen sind natürlich pauschalisierend und von persönlicher Anschauung geprägt. Ein Kommunikationsteam ohne fachlich geschulte Mitglieder kann nicht funktionieren. Es lebt vielmehr von der Vielfalt der Typen, ihrer unterschiedlichen Denk- und Handlungsweise. Mir geht es an dieser Stelle daher vor allem um folgende Feststellung: Ich bin überzeugt, dass der Fächerkanon, der im anglo-amerikanischen Sprachraum nicht umsonst als „Humanities“ bezeichnet wird, in unserer Branche zunehmend an Bedeutung gewinnt. Und nicht nur in unserer Branche. Die zunehmende Automatisierung wird den Blick auch gesamtgesellschaftlich wieder auf die Fächer lenken, die sich mit dem genuin Menschlichen beschäftigen.

Wie auch immer – wir als Kommunikationsdienstleister suchen neue Kollegen. Und ich möchte insbesondere auch Geistes- und Literaturwissschenschaftler motivieren, sich bei uns zu melden. Wertschätzung garantiert.

Kommentieren

Diese Seite nutzt Cookies und Google Analytics zur Analyse der Nutzung unserer Webseite. Desweiteren setzen wir das „Besucher-Interaktionspixel“ von LinkedIn ein, um Sie gezielter mit Werbemaßnahmen auf LinkedIn ansprechen zu können. Wenn sie diese Website weiterhin besuchen, erklären Sie sich damit einverstanden. Mehr Informationen dazu finden Sie hier: Datenschutz

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen